Die Harnschau war über viele Jahrhunderte das wichtigste Diagnoseverfahren der abendländischen Medizin. Ärzte wie Laien glaubten, man könne fast alle Krankheiten und selbst Schwangerschaften allein durch den Blick auf das gefüllte Harnglas erkennen.
Anschaulich und facettenreich beschreibt Michael Stolberg in seinem neuen Buch die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung der Harnschau im medizinischen Alltag der Vormoderne. Er untersucht die Gründe für das tiefe und beharrliche Vertrauen der Menschen in dieses Verfahren und eröffnet dem Leser faszinierende Einblicke in eine fremd gewordene Welt.
Pressespiegel[E]in argumentativ äußerst überzeugendes, prägnant formuliertes, rundum gelungenes Buch. Elegant demonstriert Stolberg, wie sich Patienten- und Wissenschaftsgeschichte – zwei Bereiche, die in der Forschungspraxis heute allzu oft wie Antagonismen behandelt werden – , gegenseitig befruchten können.
(Sehepunkte)
Warum die Uroskopie spätestens im 19. Jahrhundert aus der Schulmedizin verschwand und durch andere Diagnoseverfahren ersetzt wurde, kann man jetzt in dem faszinierenden und vorzüglich bebilderten Buch des Würzburger Medizinhistorikers nachlesen.
(Robert Jütte, Deutsches Ärzteblatt)